Koreanisch lernen kostenlos: was funktioniert – und wo es aufhört

Koreanisch lässt sich kostenlos bis etwa A2 lernen. Es gibt frei zugängliche Kurse, Grammatikseiten, Wörterbücher und Karteikartensoftware in guter Qualität. Was kostenlose Angebote nicht liefern, sind drei Dinge: eine verlässliche Reihenfolge, Korrektur deiner eigenen Fehler und Verbindlichkeit. Genau daran scheitern die meisten – nicht am fehlenden Material.

Dieser Artikel nennt konkret, was taugt, wozu es taugt und wo die Grenze liegt. Am Ende steht ein kompletter Vier-Wochen-Plan, der ausschließlich aus kostenlosen Bausteinen besteht.

Die besten kostenlosen Quellen

Quelle Wofür sie gut ist Wo sie an ihre Grenze kommt
Online King Sejong Institute (iksi.or.kr) Der einzige wirklich strukturierte Gratis-Kurs. Staatlich finanziert, mit Lektionsaufbau von A1 aufwärts. Vermittlungssprache Englisch, altbackene Oberfläche, wenig Motivation von außen
Talk To Me In Korean Sehr gute kostenlose Lektionen und Podcasts, angenehmer Ton, großes Archiv Englisch; das kostenlose Angebot ist über Jahre gewachsen und dadurch unübersichtlich
How to Study Korean Die ausführlichsten kostenlosen Grammatikerklärungen im Netz Sehr textlastig, englisch, für den Einstieg fast zu detailliert
Anki Karteikarten mit Spaced Repetition, wissenschaftlich gut belegtes Prinzip Du musst die Karten selbst pflegen; fremde Decks sind oft ungeordnet. Die iPhone-App kostet Geld.
Naver Dictionary / Papago Kostenloses Wörterbuch mit Beispielsätzen und Aussprache – besser als jede allgemeine Übersetzungs-App Kein Lernwerkzeug, sondern ein Nachschlagewerk
YouTube-Kanäle Hörverstehen, Aussprache, Motivation Kein Lernpfad. Man schaut sich durch Kapitel eins von zehn Kanälen.
HelloTalk / Tandem Echte Sprachpartner, kostenlos nutzbar Braucht Grundkenntnisse; ohne Basis wird es schnell zu Small Talk auf Englisch
Duolingo Tägliche Gewohnheit, niedrige Einstiegshürde Erklärt Grammatik kaum und trainiert Sprechen fast gar nicht

Wo kostenlos systematisch scheitert

1. Niemand sagt dir, was als Nächstes kommt

Das ist das größte Problem – und es hat nichts mit Qualität zu tun. Kostenloses Material ist reichlich vorhanden, aber unsortiert. Wer selbst entscheiden muss, ob nach den Partikeln die Vergangenheitsform oder die Höflichkeitsebenen kommen, trifft diese Entscheidung zwangsläufig schlecht – man weiß es ja noch nicht.

Das Ergebnis kennt fast jeder: drei Monate lernen, dann feststellen, dass man vier Anfängerkapitel dreimal gemacht hat und nichts danach.

2. Deine Fehler bleiben unkorrigiert

Aussprache und Satzbau festigen sich durch Wiederholung – auch falsch. Wer ein halbes Jahr ㄱ wie ein deutsches k spricht, muss das später mit erheblichem Aufwand wieder abtrainieren. Kostenlose Angebote können dir vieles zeigen, aber nicht sagen, dass du gerade etwas falsch machst.

3. Fast alles ist auf Englisch

Praktisch die gesamte gute Gratis-Infrastruktur für Koreanisch ist englischsprachig. Für viele funktioniert das, aber es bedeutet: Du lernst eine schwierige Sprache über eine zweite Fremdsprache. Wer im Englischen nicht sehr sicher ist, verliert Aufmerksamkeit, die eigentlich dem Koreanischen gehören sollte.

Ein kompletter Gratis-Plan für vier Wochen

Wenn du kostenlos anfangen willst, ist das die Reihenfolge, die ich empfehlen würde:

Woche Was du machst Täglicher Aufwand
1 Hangeul-Vokale und die ersten Konsonanten von Hand schreiben. Keine App, nur Papier. 20 Min
2 Restliche Konsonanten und Endkonsonanten. Danach täglich zehn Lehnwörter laut lesen. 20 Min
3 Online King Sejong Institute, Lektion 1–5. Parallel ein eigenes Anki-Deck mit den Wörtern aus den Lektionen anlegen. 25 Min
4 Lektion 6–10 plus täglich fünf Minuten Shadowing mit einer Audioaufnahme. 30 Min

Die kostenlosen Bausteine dafür findest du hier im Blog: der Sieben-Tage-Plan für Hangeul, die vollständige Alphabet-Tabelle und die 30 Wörter zum Lesenüben. Alles frei zugänglich, ohne Anmeldung.

Wann sich bezahltes Material tatsächlich lohnt

Nicht am Anfang. Wer noch nicht weiß, ob Koreanisch überhaupt zu ihm passt, sollte kein Geld ausgeben – vier Wochen kostenlos sind der beste Test, den es gibt.

Sinnvoll wird es an drei Punkten:

  • Wenn du nach vier Wochen noch dabei bist. Dann ist die Frage nicht mehr „ob“, sondern „wie effizient“ – und eine feste Struktur spart dir mehr Zeit, als sie kostet.
  • Wenn Bildschirmzeit dein Problem ist. Wer den ganzen Tag am Rechner sitzt, lernt abends nicht gern an einem weiteren Bildschirm. Papier ist hier kein Nostalgie-Argument, sondern eine praktische Entscheidung.
  • Wenn du auf Deutsch lernen willst. Deutschsprachiges Koreanisch-Material ist selten – und es kostet in aller Regel Geld, weil der Markt dafür klein ist.

Falls das auf dich zutrifft: Das praktische Übungsbuch deckt Schrift und Grundlagen auf Deutsch ab, das Kartenset Unlock Korean den Wortschatz. Beides funktioniert auch parallel zu den kostenlosen Quellen oben – sie schließen sich nicht aus.

Häufige Fragen

Kann man Koreanisch komplett kostenlos lernen?

Bis etwa A2 ja, mit Disziplin und Englischkenntnissen. Darüber hinaus wird es schwierig, weil fortgeschrittenes Material rarer ist und Sprechpraxis in der Regel ein Gegenüber braucht.

Ist Duolingo gut für Koreanisch?

Als tägliche Gewohnheit brauchbar, als alleinige Grundlage nicht. Der Koreanisch-Kurs erklärt wenig Grammatik und setzt die Schrift früh voraus, ohne sie gründlich beizubringen. Als Ergänzung neben einem strukturierten Material funktioniert er besser.

Welche kostenlose App ist die beste für Koreanisch?

Für Wortschatz Anki, weil du Inhalte selbst bestimmst und das Wiederholungsprinzip nachweislich funktioniert. Für strukturierte Lektionen die App des Online King Sejong Institute.

Gibt es kostenlose Koreanischkurse auf Deutsch?

Sehr wenige, und meist nur als Einführung. Die großen kostenlosen Angebote sind auf Englisch. Deutschsprachige Volkshochschulkurse gibt es, sie kosten aber Gebühren.

Wie viel Zeit muss ich einplanen?

20 bis 30 Minuten täglich sind realistisch und ausreichend. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Menge: Fünf kurze Einheiten pro Woche bringen mehr als eine lange.


Geschrieben von Nils Blache, Gründer von dream.dream – deutschsprachiges Lernmaterial für Koreanisch. Keine der oben genannten Quellen hat für die Nennung bezahlt.

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